Augenuntersuchung im Kindesalter

Liebe Eltern,

die Augenärztegenossenschaft Brandenburg e.G. möchte die optimale Sehentwicklung Ihrer Kinder sicher stellen. Dazu wurde ein Programm zur AUGEN-Untersuchung aufgelegt, welches Ihrem Kind im Zeitraum zwischen dem 32.- 42. Lebensmonat eine komplette AUGEN-Untersuchung anbietet, um jegliche Störung der Sehentwicklung frühzeitig zu erkennen.

Daran schließt sich im Bedarfsfall eine qualifizierte fachärztliche Therapie an, welche wir Ihnen flächendeckend und zeitnah anbieten können. Eine einzelne gründliche Untersuchung durch den Augenarzt kann zahlreiche Screeningmethoden ersetzen und schafft Sicherheit für Sie und Ihr Kind.

Der Untersuchungsumfang wurde in Kooperation mit der Deutschen Bielschowsky-Gesellschaft für Schielforschung erarbeitet. Der öffentliche Gesundheitsdienst im Land Brandenburg unterstützt dieses Vorsorgeprogramm und nutzt die Ergebnisse der AUGEN-Untersuchung als Ersatz für seine eigenen Screeningmethoden.

Ihre Augenärzte Brandenburgs


Fehlsichtigkeiten

Kurzsichtigkeit (Myopie)
Durch den zu groß ausgebildeten Augapfel können Gegenstände in der Ferne nicht scharf abgebildet werden, nur in der Nähe wird ein scharfes Abbild erzeugt. Kurzsichtigkeiten können lediglich durch optische Hilfsmittel ausgeglichen werden.

Weitsichtigkeit (Hyperopie)
Ist der Augapfel zu kurz gebaut, ist das Bild in der Ferne scharf dargestellt, in der Nähe müssen Kinder ihre ausgeprägte Naheinstellungsreaktion (Akkommodation) gebrauchen, um ein scharfes Bild zu bekommen. Weitsichtigkeiten führen ab einer Größe von etwa 3 Dioptrien zu Sehschwächen und gehen allgemein mit einer höheren Rate an Innenschielen einher. Zur Diagnostik ist zwingend die Pupillenerweiterung (Zykloplegie) erforderlich, die nur von Augenärzten durchgeführt werden kann.

Stabsichtigkeit (Astigmatismus)
Astigmatismus führt zu Verzerrtsehen durch Krümmungsunterschiede der brechenden Medien in verschiedenen Achsen. Ab etwa 1 Dioptrie entstehen Sehschwächen, korrigiert wird der Astigmatismus mit Sehhilfen.

Frühkindliches Schielen und Stereosehen
Verschiedene Schielformen können durch eine gestörte beidäugige Zusammenarbeit den Seheindruck eines Auges unterdrücken und zu schweren Sehschwächen führen. Beim Mikrostrabismus zum Beispiel ist die Augenfehlstellung aber kosmetisch unauffällig und kann nur durch eine subtile orthoptische Untersuchung diagnostiziert und behandelt werden. Schielen kommt familiär gehäuft vor.

Organische Augenerkrankungen
Verschiedene angeborene oder erworbene Erkrankungen in allen Teilen des Sehsystems wie zum Beispiel ein angeborener grauer Star können durch Verlegen der optischen Achse die Sehentwicklung stark beeinträchtigen.

Sehschwäche (Amblyopie)
Das volle Sehvermögen entwickelt sich in den ersten Lebensjahren und ist etwa im 10. Lebensjahr abgeschlossen. Störungen des Sehsystems, wie sie oben beschrieben sind, können diese Entwicklung beeinträchtigen und – wenn sie unerkannt bleiben – zu einer lebenslangen Sehschwäche führen. Je früher die exakte Diagnose gestellt wird, desto effektiver sind die Behandlungsmöglichkeiten.


Umfang der AUGEN-Untersuchung

(empfohlenes Alter: 32. – 42. Lebensmonat)

  • Ausführliche Eigen- und Familienanamnese
  • Sehschärfenprüfung mit normierten, kindgerechten Methoden
  • Pupillenfunktionsprüfung
  • Orthoptische Untersuchung mit:
    o    Prüfung auf Schielen („Abdecktest“)
    o    Prüfung von Stereosehen und Binokularfunktionen
    o    Prüfung der Augenbeweglichkeit in 9 Blickrichtungen
    o    Prüfung der zentralen Netzhautfixation
  • Objektive Messung der Brechkraft der Augen mit Pupillenerweiterung (Zykloplegie)
  • Untersuchung der vorderen und hinteren Augenabschnitte
  • Ausführlicher Befundbericht an den Kinderarzt und zur Verwendung zum Beispiel für den öffentlichen Gesundheitsdienst
  • Kosten:
    –    als Wahlleistung: 98,- €
    –    AOK-Junior-Programm: Kostenübernahme durch die AOK Berlin-Brandenburg und IKK sowie durch alle Privatkassen

Was heißt AUGEN-U ?

So wie Ihnen die allgemeinen Vorsorgeunter-suchungen U1- U9, J1 auf Kinderkrankheiten und Entwicklungsdefizite bekannt sind, beinhaltet die Augen-U umfangreiche augenfachärztliche Untersuchungen, die sowohl vollständig die Sehfunktion testen als auch die organische Augenuntersuchung beinhalten.

Warum braucht es die AUGEN-U ?

Die Vorsorgeuntersuchung zur Sehentwicklung bei Kindern ist in Deutschland nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten. Es gibt einfache Augenscreenings z.B. beim Kinderarzt, jedoch keine qualifizierte Präventionsuntersuchung beim Augenarzt.

Im Ergebnis weist der Brandenburger Gesundheitsdienst unerkannte Sehfehler und funktionelle Einäugigkeiten zur Schuleingangsuntersuchung bei bis zu 9% der 6-Jährigen aus. In diesem Alter sind dann z.B. Schielfehler viel zu spät aufgedeckt, um noch eine rechtzeitige und effektive Behandlung durchführen zu können.

Die augenärztliche Vorsorgeuntersuchung kann vollständig und frühzeitig alle relevanten Augenfehler aufdecken und Ihnen ein Höchstmaß an Sicherheit in Bezug auf die gesunde Entwicklung oder die rechtzeitige Behandlung Ihres Kindes geben. Wenn die Augen-U ohne Auffälligkeiten bestanden wird, sind keine späteren Screenings der Augen mehr erforderlich.